Dienstag, 12.September 2017

Es geht los! Ich pilgere heute – das habe ich mir schon lange mal gewünscht. Ich dachte zwar immer an die Pilger-Strecke von München zum Bodensee, aber da wir nun hier sind, freue ich mich ganz arg drauf, den berühmten Camino Frances zu gehen.

Kurz nach sieben stehe ich auf. Viele Pilger laufen da schon an unserem Wohnmobil vorbei, teils noch mit Stirnlampe ausgerüstet – ist ja noch duster. Kurz noch was essen, ein Käffchen dazu, Peter hat mir noch ein paar Brote gemacht – und los geht es!
Ich habe mir heute eine schöne Strecke ausgesucht, nur mit ein paar kleinen Steigungen und nur 20 km lang. Es riecht noch herrlich frisch, die Sonne kommt gerade heraus und es ist noch recht frisch in meinem Blüschen.


Nach zwei Stunden lege ich eine kurze Rast ein, esse ein Brot und erreiche eine halbe Stunde später einen kleinen Ort,

Hontanas – er liegt schon ganz süß in einem Tal und als ich das Bild in meinem Reiseführer sah, wusste ich, dass ich hier laufen wollte. Es ist ein Mini-Dorf mit rustikalen Steinhäusern und vor der Kirche gibt es einen echten Pilgertreff und wir sitzen gemütlich bei einem Kaffee zusammen und entspannen. Man kommt sich vor wie in einer anderen Welt, alles scheint hier still zu stehen und irgendwie der Zeit hinterher.


Jeder zieht wieder los, wenn es für denjenigen passt.

Mich fragt eine Pilgerin, ob wir ein Stück des Weges gemeinsam zurücklegen wollen. Klar, mich freut es riesig. Und so tauschen wir uns auf den kommenden acht Kilometern aus. Es ist ein schöner Weg, der teilweise entlang einer Allee verläuft.

Man kommt noch an den Ruinen des gotischen Klosters San Anton vorbei: hier spannen sich die Bögen einer alten verlassenen Abtei hoch über dem Weg. Zur Zeit wohnt ein Mann hier und verbringt zwei Wochen seines Urlaubs hier. Früher war es ein Hospital.

Schon gegen 14 Uhr kommen wir an der Kirche in Castrojeriz an,

holen uns einen Stempel und schauen uns die Kirche an. Dieses Dorf ist äußerst langgestreckt und bäuerlich geprägt. Ich freue mich auf Peter, denn hier haben wir einen Zeltplatz entdeckt, auf dem er mich jetzt erwartet. Gemütlich verbringen wir den Nachmittag mit Duschen, Reden und Schreiben. Erst gegen Abend wandere ich noch hoch zu den Ruinen und genieße einen herrlichen Ausblick auf die Gegend bis hin zum Gebirge. Das hat sich echt gelohnt, wenn es auch mühsam war.

Auf dem Heimweg treffe ich noch einige Pilger in den Lokalen und setze mich zu dem Paar aus Stuttgart dazu, esse ein typisches Pilgermenü, bestehend aus Zucchinisuppe, Paella und als Nachtisch ein Joghurt mit Kokosgeschmack. Wir tauschen uns noch über alles Mögliche aus und gegen neun Uhr schaue ich dann doch, dass ich zum Zeltplatz zurück komme. Peter sitzt auch noch draußen. Wie sich herausstellt, mit einem jungen Mann, 24 aus Erfurt. Er hat neben uns sein Zelt aufgeschlagen und ist mit dem Rad hergekommen. Sein Ziel ist es, in ein paar Tagen Lissabon zu erreichen und dann zurück zu fliegen.

2 Gedanken zu „Dienstag, 12.September 2017“

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