Montag, 09. Oktober 2017

Wir entscheiden uns dafür, noch eine Nacht auf dem Campingplatz hier auf der Insel zu bleiben und fahren mit dem Inselbus um 12 Uhr nach La Rochelle. Über eine Stunde dauert die Fahrt von ca. 20 km, an fast jeder Haltestelle wird angehalten. Leider ist der Stopp aber nicht lange genug, denn sonst hätte ich die putzigen Esel, die vor allem hier in St. Martin auf der Insel anzutreffen sind, noch fotografieren können. Schade  ;-(

Kurz nach ein Uhr sind wir dann in der Stadt (74 000 Einwohner), die in meinen Augen sehr interessant ist. Die Stadt verdankt nämlich ihre heutige Existenz einem militärischen Abkommen. Die Alliierten lassen die eingekesselten Deutschen in der Stadt am Leben und dafür zerstören diese weder Häuser noch Hafen. 1944 fädelten der deutsche Festungskommandant Schirlitz und der französische Unterhändler Meyer diese „Konvention von La Rochelle“ ein, weshalb die mehr als 800 Jahre alte Altstadt komplett erhalten blieb. Heute stehen am Marktplatz die ältesten Fachwerkhäuser der Stadt, zwei windschiefe Überbleibsel aus dem Mittelalter. Mich beeindruckt das Abkommen 😊.

Für Peter habe ich ein paar Adressen herausgesucht, wo ich ihn heute hinführen möchte. Erst mal ins „L`Epicurium“, eine Fromagerie: hier stehen über 200 Käsesorten zur Auswahl und man kann probieren. Dann hatte ich ein nettes Lokal herausgesucht, in dem es vor allem Meerestiere zum Essen gibt und schließlich noch eine Bar. Aber – heute ist Montag und leider hat gerade heute alles zu!

Aber wir finden trotzdem ein nettes Lokal „Les arts“ und lassen uns hier bei guter Musik erst mal Muscheln und Käse schmecken.

Die Bedienung war super freundlich – da macht das Essen gleich doppelt Spaß! Das war ein gelungener „Einstieg“ in die Stadt und dann sind auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt angesagt. Erst mal geht es zum alten Hafen und den drei markanten Türmen, die das unverkennbare Wahrzeichen der Stadt bilden. Im 16. Jahrhundert wurden alle Katholiken vertrieben und damit alle katholischen Kirchen in La Rochelle abgerissen. Nur die Türme blieben als Wachtürme und als Plattformen für Kanonen stehen. Und die Steine der Kirchen nutzte man, um die Stadt zu befestigen.

Wir schlendern durch den Hafen, genießen die Atmosphäre, die verschiedenen Schattierungen des Meeres (nicht umsonst heißt die Küste hier „Cote de Lumiere“) und finden auch die „Rue sur les murs“, eine 600 Meter lange begehbare Mauer aus hellen Pflastersteinen. Übrigens ist die ganze Stadt von einer Stadtmauer umgeben. Zudem gibt es viel Grün, einen riesigen Park mit herrlichen Blumen und viel Wasser.

Es gibt eine wunderschöne malerische Altstadt, Tausende von Cafés, Bars, Kneipen (auch das hat historische Gründe: wenn im alten Hafen früher große Schiffe anlegten, hatte die Besatzung oft wochenlang weder festen Boden unter den Füßen noch die Gelegenheit gehabt, mal zu feiern. So sind all die Pubs und Bars und und und entstanden.) und viele Geschäfte – fast 3 km Arkaden ermöglichen das Shoppen auch bei Regen. Na, das wäre doch was für unsere Töchter… und Schwiegertochter….

Vor dem 17. Jahrhundert war La Rochelle sehr wohlhabend: es hatte wie auch Nantes und Bordeaux vom Dreieckshandel zwischen Europa, Westafrika und der Karibik profitiert. Auch die zahlreichen Salzgärten und der Weinbau trugen zum Wohlstand bei.

Auch Pflastersteine aus Kanada, aus dem St.- Lorenz-Strom lassen sich in La Rochelle wiederfinden – sie sind ein Erbe aus den Tagen des Handels mit Quebec, das 1608 von einem Bürger von La Rochelle gegründet wurde.

Das Rathaus wäre (bzw. ist bald wieder) eines der schönsten Frankreichs, wenn nicht der Brand vor 4 Jahren gewesen wäre, bei dem fast zwei Drittel des Gebäudes zerstört wurden.

Im Café de la Paix „müssen“ wir auch noch zu einem Kaffee einkehren: es ist ein schönes Jugendstil-Café , in dem der belgische Krimiautor Georges Simenon Stammgast war. Er kam wohl 1927 zum ersten Mal in diese Gegend, angeblich um sich von einer unglücklichen Affäre zu erholen. Er soll sich so in die Stadt verliebt haben, dass er später seinen Wohnsitz für einige Jahre in diese Gegend verlegte und allein 19 Romane schrieb, die in La Rochelle und im Umland spielen. Den – laut meinem Reiseführer – berühmten Ziegenfrischkäsekuchen, Tourteau fromager finden wir leider nirgens in La Rochelle.

Kurz vor 18 Uhr steigen wir dann wieder in unseren Bus, der jetzt mit Schulkindern sehr gut ausgelastet ist. Hier ist die Schule wirklich spät aus und die Kids sind nicht vor 19 Uhr wieder auf „ihrer“ Insel.

Wir lassen den herrlichen Tag noch nachklingen und verbringen ihn mit „Günther Jauch“ („Wer wird Millionär?“).

Ein Gedanke zu „Montag, 09. Oktober 2017“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.