Donnerstag, 29.September

Die vergangene Nacht war so stürmisch wie ich es vorher noch nie erlebt habe: ich kam mir im Wohnmobil wie auf einem Schiff vor, so wackelte es ständig.
Aber irgendwie haben wir es trotzdem geschafft zu schlafen und das dann, da wir in der Nacht des Öfteren munter waren, sogar bis halb zehn (englischer Zeit).
Nach dem porridge – Frühstück vervollständigten  wir noch unsere Webseite und duschten.
Und sitzen jetzt, um 14 Uhr immer noch hier im Wohnmobil auf dem Campingplatz. Noch ein Teechen und dann wollen wir los. Wenn es nur nicht immer wieder so schütten würde, wäre ich schon längst draußen. Die Küste sieht hier einmalig aus, Steilküste, lange Sandstrände, riesige Wellen (klar, es windet ja auch noch). Der Ort selbst ist mini, 500 Einwohner, aber er hat einen kleinen Spar-Laden und sogar ein Touristenbüro.
Oh, die Sonne kommt!!! Hoffentlich schafft sie es, zu bleiben.
Ich versuche es mal, raus zu gehen. Bis später dann!


So, einige  Bilder seht ihr hier, bevor die nächste „Dusche“ kam und ich auch noch voll mit meinen neuen „schicken Gummistiefeln“ der Länge nach den Boden „gemessen“ hatte. Die Nachbarn hatten bestimmt ihren Spaß mit mir.
Als Nächstes gingen wir noch kurz zum Spar-Laden und brieten dann die gerade besorgten Hamburger an einer Stelle mit herrlichem  Blick auf einen ausgedehnten Sandstrand mit dahinter liegenden Dünen.

Dann ging ich noch nach Balnakeil, gleich bei Durness und besuchte die Künstlerkolonie. Hier wohnen Künstler und stellen ihre Gemälde und Töpfereien aus. Auch eine kleine Schokoladenfabrik ist hier mit einem Café untergebracht.

Und – wer hätte es gedacht – hier wurden sogar einige Szenen für Asterix-Filme gedreht.
Unseren Stellplatz für die Nacht fanden wir heute schnell: nur ca. 5km von Durness entfernt, in der Balnakel Bay – hier stehen wir, falls es wieder stürmen sollte, etwas geschützter als ganz vorne am Meer. 500 Meter von hier setzt ab und zu eine kleine Personenfähre zum Cape Wrath über. Und dann gibt es einen Shuttle,  der die Besucher für gut 20 Pfund zum 20 km entfernten Leuchtturm bringt.
Wir haben vor, auf diese Fahrt zum Leuchtturm zu verzichten und stattdessen morgen Richtung Süden zu fahren.

Mittwoch, 28. September

Nach einer besonders stürmischen Nacht frühstücken wir


und fahren dann noch durch dieses wunderschöne einsame Moorgebiet: wir sehen viele Schafe, Kühe, Hühner, Fasane, Enten, einen Schwarm Gänse (den hat man zuerst gehört, so laut war er!) und sogar einen riesigen Eber – hier in dem Gebiet sind viele Fischer unterwegs, wahrscheinlich ist jetzt die Zeit, Lachse in den Flüssen zu fangen.

Wir machen in einem netten Café Pause und lassen uns eine Tagessuppe (eine süße Kartoffelsuppe) und ein Lachsbrot schmecken. Lecker! Dabei treffen wir auf ein paar junge Deutsche aus der Nähe von Nürtingen und unterhalten uns noch länger mit dem Wirt. Ja, der Ausstieg aus der EU ist das Thema hier überall. Sehr zum Leidwesen der Schotten,….

Wunderschön rot leuchtet auch der Farn – Bilder gibt es heute nicht so viele: es ist einfach zu nass draußen!

Gegen 15 Uhr sind wir so – Fotopausen entfallen wegen des Wetters – auch schon in Durness auf dem Zeltplatz: er ist recht gut bewertet und wir haben wieder einiges zu waschen und brauchen Wifi, um unseren Blog weiter zu schreiben. Unser Stellplatz hier ist super mit tollem Blick auf eine Meeresbucht: richtig herrlich, wenn es nur nicht so schütten würde,….
Aber so nutze ich das Wetter, um euch auf dem Laufenden zu halten. Und Peter ist auch fleißig und wäscht unsere Wäsche – Gott sei Dank gibt es auch einen Trockner, so dass wir bereits am Abend wieder alles sauber im Schrank haben. SUPER! 

Dienstag, 27. September

Wieder fast blauer Himmel – wir können es gar nicht glauben!
Es war eine total ruhige Nacht hier, trotz des Windes. Nun beobachten wir, wie das Meer durch den Wind bewegt wird und Muster aufs Meer zeichnet. Wie die Möwen sich senkrecht auf der Jagd nach Fischen ins Meer fallen lassen. Wie es ihnen regelrecht Spaß macht gegen den Wind anzukämpfen. Wie wunderschön die Schaumkronen in der Sonne blitzen. Es ist einfach herrlich, die Natur anzuschauen – mich macht das sehr, sehr glücklich. Ab und zu gibt es auch einen kurzen Regenschauer, aber dafür auch jede Menge Regenbogen. Einer schöner als der andere,…
Heute haben wir im Wohnmobil geduscht: auch das klappt bestens, die Duschkabine ist doch angenehm groß!
Gegen Mittag ziehen wir erst weiter – wieder an herrlichen Stränden vorbei – nach Tongue: ein kleines Dorf mit einem kleinen Laden, in dem wir uns Brot kaufen. Und dann geht es zum Loch Loyal am Ben Loyal (763 m): hier soll besonders viel Rotwild zu sehen sein. Und auch wir entdecken Hirsche und Rehe – leider gibt es davon aber kein Bild: es war schon zu dunkel,…. ;-(
Einige Eindrücke von unserer heutigen Fahrt



Montag, 26. September

Wieder wachen wir mit Sonne und Meerblick auf! Ist das herrlich! Und ja – ich werde auch wieder von Peter mit Frühstück verwöhnt!
Über Castletown und einen herrlichen Sandstrand (Dunnet Bay), der von hohen Dünen eingerahmt ist, kommen wir nach Thurso: hier gibt`s wieder einen Tesco und wir kaufen das Notwendigste ein.
Ca. 30 km weiter genießen wir schon wieder: eine herrliche Landschaft und viele Schafe (man riecht sie schon von Weitem ;-)) am Strathy Point! Auf Midges treffen wir heute auch, das sind die „schottischen Plagegeister“, die Mücken.


Und dann Bettyhill – wow! Die Landschaft wird immer grandioser: tolle Sandstrände, Sandbuchten, Moorlandschaften, Berge, Wälder – es sieht hier (entgegen der Ostküste) so richtig schottisch aus, so wie ich es mir vorgestellt habe!
Die Straßen – auch die Großen (auf der Karte mit „rot“ eingetragenen) sind recht eng, meist Single Track Roads: das sind einspurige Straßen mit vielen „passing places“ (Haltebuchten). Meist sieht man den Gegenverkehr und wartet dann in der Bucht oder der andere wartet. Man verständigt sich mit der Lichthupe, mit Blinklicht und grüßt und bedankt sich – so viel Handzeichen haben wir noch nie gegeben: aber es ist echt schön, auf diesen Straßen zu fahren; ist auch meist sehr gemütlich, da es nur langsam vorwärts geht.
Und wir sind froh, jetzt mit einem kleineren Wohnmobil (Kastenwagen) unterwegs zu sein: wir sind wendiger und auch daran, innen weniger Platz zu haben, haben wir uns gut gewöhnt. Das war für uns eine SUPER Entscheidung, uns zu verkleinern.
Begegnet man einem anderen Wohnmobil auf der Straße, ist es auch Usus, sich gegenseitig zu grüßen – so wie es auch Motorrad-Fahrer machen.
Kurz nach Bettyhill biegen wir dann Richtung Skerray ab: wir hoffen auf ein gutes Plätzchen am Meer, um nochmals Nordlichter sehen zu können. Und die 5 km haben sich gelohnt: wir stellen uns in eine Meeresbucht, gegenüber eines kleinen Hafens, haben einen herrlichen Blick aufs Meer und dürfen sogar die Anlagen des Privatcampingplatzes (auf dem zwei Wohnmobile stehen) von nebenan – also Wasser, Entleerung – nutzen. Nur das mit dem Handy-Empfang klappt erst nicht so, aber Peter findet eine Lösung!
Auch hier haben wir wieder eine nette Begegnung mit einem schottischen Ehepaar, die mir von ihren Reisen nach Norwegen erzählen. Überhaupt sind es auch all die Begegnungen mit den Menschen hier, die für mich, für uns auf den Reisen sehr wertvoll sind: man lernt den anderen und seine Mentalität etwas kennen – ist das nicht auch eine „Völkerverständigung“? Viele Briten berichten vom Austritt aus der EU, die Meisten sind darüber sehr traurig. Schön, dass man sich mit der englischen Sprache so einigermaßen „durchschlagen“ und verständlich machen kann.
Nach einem leckeren Essen (Fleisch und Salat) sitzen wir noch lange im Dunkeln im Wohnmobil, warten auf die Nordlichter – aber die lassen uns heute leider im Stich,…. Aber auch das Betrachten des einmaligen Sternenhimmels ist wunderschön.

Sonntag, 25. September

Das Wetter sieht recht gut aus, es regnet nicht und so machen wir eine Küstenwanderung zu den berühmten Felsen, den Duncansby Stacks: eine herrliche Küstenszenerie gibt es hier, uralt, von Möwen bevölkert – und auch die Sonne kommt heraus. Und wir haben unseren Spaß, denn der Weg ist recht moorig und wir bekommen beide nasse Füße!
Und wir stellen wieder einmal fest: was sind doch unsere Beine für ein Wunderwerk: sie passen sich der jeweiligen Umgebung an, tragen uns hoch und runter, ihnen ist es egal, wie der Untergrund ist, ob er schief oder gerade ist,…. „Ein Loblied auf die Beine“!


Kurzer Zwischenstopp dann nochmals in John o`Groats beim Imbiß (“wandern macht hungrig“): ich lasse mir – in der Sonne! – Haggis (schottisches Nationalgericht) und Peter Pommes mit Currysauce schmecken.

Beim Dunnet Head, dem absolut nördlichsten Punkt Schottlands gefällt es uns so richtig gut und wir machen es uns bei Kaffee und Tee im Wohnmobil gemütlich. Wir lesen, wandern etwas und genießen die Wärme der Sonne im Wohnmobil. Und wir haben eine super Sicht auf die Orkney-Inseln. Und wir beobachten die Leute, die heute zum Teil in ihren offenen Cabrios hier anrauschen, eine kurze Stipp-Visite machen und sehen aber auch solche, die sich hier ganz gemütlich alles anschauen. Und viele fahren einfach im Auto hierher (oder auch an andere schöne Stellen) und genießen die Sicht aufs Meer vom Auto aus.
Ich besichtige noch die Galerie des Mannes, der seit zwei Jahren im Leuchtturm – Haus wohnt und komme – natürlich – mit ihm ins Gespräch: er wohnt mit seinem Hund hier, genießt die Einsamkeit und hat schon oft von hier aus die Nordlichter gesehen. Wow!
Und auch wir sind, als es dunkel wird, gespannt und beobachten den Himmel. Gegen 22 Uhr klopft es dann an unsere Wohnmobiltür: es sind unsere „Nachbarn“ (zwei englische Wohnmobile sind noch gekommen), die uns voller Freude mitteilen, dass Nordlichter zu sehen sind. Also nichts wie raus! Na ja, etwas schwach erkennen wir einige Streifen. Super! Aber erst der Himmel, voll mit Sternen,… so was haben wir bisher noch nie gesehen,… Unser Freund Karl-Heinz (er liebt unter anderem Sterne) wäre auch begeistert.
Irgendwann wird es uns dann aber zu kalt und ich bitte den Fotografen, uns zu wecken, falls er nochmals was sieht. Und das ist dann gegen 1:00 Uhr – ein super Erlebnis! Sowohl das Nordlicht als auch die Tatsache, so nette „Nachbarn“ zu haben.
Leider haben wir nur die „kleine“ Kamera dabei, so können wir das Erlebnis nicht im Bild festhalten…

Samstag, 24. September

Nach dem Frühstück und einer kleinen Runde um den Hafen entdecke ich Kormorane, die wie nebeneinander aufgereiht auf den Felsen sitzen. Und dann komme ich noch an einem Haus vorbei, das heute Trödel verkauft: ich entdecke natürlich auch etwas: eine süße altertümliche Tasse mit Rosen drauf. Die muss mit, für meinen 5 o`clock tea!



Es geht weiter, wieder ohne Regen und die Strecke wird landschaftlich interessanter, jedenfalls erst einmal. Viel Wald gibt es hier, kleinere Berge, viele schöne Blicke aufs Meer. Die Straßen werden immer leerer, sind aber angenehm breit und gut zu fahren.
In Wick, der letzten etwas größeren Stadt vor dem „Ende Schottlands“ machen wir Pause, gehen in einige Läden und man staune: in eine Bäckerei!
Bäckereien haben wir bisher selten gefunden, drum setzen wir uns gleich hinein und holen uns erst was Herzhaftes und danach noch was Süßes. So was von süß aber auch, dass wir nicht mal unsere zwei kleinen Stückchen schaffen…


Ein Touristenbüro finden wir auch noch und darinnen wertvolle Broschüren und Tipps, von denen wir gleich einen, nachdem wir bei Tesco fürs Wochenende eingekauft haben, umsetzen: wir fahren zum Noss Head, denn hier soll es neben einem alten verfallenen Castle auch noch Papageientaucher geben! Nichts wie hin also! Nach ein paar Umwegen erreichen wir auch den Parkplatz, bekommen auch einen und ziehen los,…. Ein paar Meter stehen uns schon noch bevor. Auf halber Strecke dann erwischt uns eine dunkle Wolke und wir werden klatschnass – kein Wunder, denn die Regenhosen und Peters Regenschutz für den Rucksack liegen ja auch trocken und gut verpackt im Wohnmobil. Wenigstens haben wir unsere Regenjacken an! Das Castle finden wir dann, auch die Steilküste, aber Papageientaucher (Puffins)? Keine Spur, nur ein paar Möwen sichten wir. Zwei Tage später erfahre ich im Touristenbüro, dass die Puffins auch hier schon längst abgezogen sind: sie nisten im Sommer hier und sind dann wieder auf dem Atlantik.
Schade 😉

Gut, dass wir uns in dem kleinen Städtchen inzwischen auskennen, denn wir fahren wieder zu Tesco: da gibt es ein Café und wir können trocknen, außerdem haben sie Wifi. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht so oft regnet und wir Unterschlupf brauchen, denn so kam ich zu einer typisch schottischen Bluse (oder Hemd) und einem neuen Schlafanzug (der mich in den immer kälter werdenden Nächte bestimmt auch gut wärmen wird ;)).

Gegen 18 Uhr schaffen wir es dann endlich, wieder los zu kommen und unser Ziel für heute zu erreichen: John o` Groats, das nördlichste Dorf oder besser gesagt – die nördlichste Ansammlung einiger Häuser Schottlands.
Kurz nach Wick kommt noch ein langer Sandstrand mit einer großartigen Dünenlandschaft. Aber dann wird die Fahrt immer noch einsamer: viele Weideflächen mit Kühen, Pferden und Schafen, zum Teil verfallene Anwesen, wenig Häuser und wenn, dann sehr in der Landschaft verstreut. Ab und zu werden an einem Hof Eier oder Schaffelle angeboten. Und ab und zu, wenn auch recht selten, blühen in den Gärten wunderschöne Blumen, auch Rosen. Aber trotzdem wirkt alles wie ausgestorben. Und dazu passt die weite ebene Moorlandschaft, durch die wir fahren bestens. Es ist wirklich wie man sich das „Ende der Welt“ vorstellt – so ganz anders als es am Nordkapp ist – aber eigentlich genau so, wie ich mir das Nordkapp immer vorgestellt hatte, bevor wir 2012 dort waren. John o`Groats besteht wirklich nur aus ein paar Andenkenläden, einer Gaststätte, einigen Häusern, einem Hotel und man staune auch aus einem Campingplatz. Da die Chefin recht unfreundlich ist, ziehen wir weiter und entdecken einen herrlichen Stellplatz, direkt am Leuchtturm, am Duncansby Head – ein französisches Wohnmobil ist auch schon da und drei Radler gesellen sich etwas später noch mit ihrem Zelt dazu. Ganz schön mutig, bei nächtlichen Temperaturen von 9 Grad im Freien zu übernachten.

Freitag, 23. September

Während es diese Nacht geregnet hat, wachen wir heute Morgen bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel auf. Herrlich!
Und nach dem Frühstück mache ich mich dann gleich wieder – dieses Mal zu Fuß – zu dem „Chanotry Point“ auf und hoffe auf viele Delfine. Peter macht in der Zwischenzeit unser Wohnmobil wieder startklar und wir treffen uns dann später an besagtem Punkt. Ich bin nicht die Einzige, die auf Delfine wartet, aber LEIDER warten wir heute alle vergebens: kein einziger Delfin lässt sich blicken – hat heute wirklich keiner Hunger oder wenigstens etwas Appetit auf Lachs?


Ich bin dann kurz nach 13:00 Uhr auch trotz Sonne total durchgefroren und bin überglücklich, dass Markus seinerzeit eine beheizbare Sitzauflage gekauft hat und Peter sie in den Urlaub mitgenommen hat. Ist das herrlich!!!!! DANKE euch beiden 🙂
So langsam taue ich dank ihr wieder auf und wir fahren auf der A9 Richtung Norden – zum Dunrobin Castle, das mir von Schotten wärmstens empfohlen wurde, zu besichtigen. Und wir schaffen es noch rechtzeitig und ich bin von den schönen Räumen, vor allem vom Kinderzimmer, dem Nanny-Zimmer, der Bücherei und auch der Essräume voll begeistert – und empfehle die Besichtigung des Schlosses gerne weiter. Da es zwischenzeitlich wieder regnet, fällt der Besuch des Schlossgartens etwas kürzer aus, aber ich freu mich riesig, dass es noch geklappt hat.

Auf der Weiterfahrt kommen wir durch einen netten kleinen Ort, der gleich am Ortsschild seinen Besuchern „mitteilt“, dass es hier im Ort freies Wifi gibt. Na, das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen – denken ja auch an euch.
Während ich noch beim Spar was Süßes einkaufe, fährt Peter seinen PC schon mal hoch und setzt Wasser für den Tee an. Ich finde einen Rhabarber Pie (für ein Pfund) und das wird dann auch gleich unser Abendessen. Wir sitzen zwei Stunden am Rechner, bevor wir zum Stellplatz in Helmsdale am Hafen weiterfahren.

Ein „Freund“ von uns (ein Wohnmobil-Fahrer) steht auch schon da und wir gesellen uns dazu. Den Abend verbringen wir gemütlich – erst bei einem Bummel durch das super kleine Örtchen (da ist man schnell durch) und dann bei „Soko Leipzig“.

Donnerstag, 22. September

Schon vor acht sitzt Peter heute – bei bestem Wetter! – am Steuer und ich daneben (und das alles ohne Frühstück), um nach Fort William zum Bahnhof zu fahren. Ihr erinnert euch: wir wollten gerne mit dem Jacobite-Train fahren. Seinerzeit, 2007, als wir mit unseren Kindern hier in Schottland Urlaub machten (auf der Insel Skye und in Ullapool), fuhren wir mit dem Auto an die spezielle Stelle, an der der Jacobite über ein Viadukt fährt. Unter anderem wurden auch hier Szenen für die Harry Potter Filme gedreht.
Aber, „to make a long story short“, Karten bekamen wir keine mehr! Dafür gingen wir zu Morrisons zum Frühstück, dieses Mal nahmen wir schottisches Frühstück und Porridge mit Früchten: ersteres na ja, zweiteres sehr gut! Und dann ging es wieder zurück zur Seilbahn: hier waren keine Karten nötig, kein Anstehen. Peter bekam sogar seine Senior-Karte (danke, liebe Annette für den guten Tipp!). Wir waren in einer kleinen Gondel (die wie die Kanzelwandbahn im Kleinwalsertal aussieht) in ca. 15 Minuten oben, auf knapp 700 Meter Höhe. Die Bahn ist übrigens die einzige Gondelbahn in Großbritannien – und das Gebiet um den Ben Nevis ist im Winter ein riesiges Skigebiet. Wir wanderten dann ca. zwei Stunden, genossen die Sonne und die Landschaft – Wärme leider nicht, denn mehr als 12 Grad hatten wir da oben nicht – und fuhren gegen 14:00 Uhr wieder ins Tal, wo es merklich wärmer war. Dann ging es weiter, am mit viel Wald umgebenen und nicht aufhören-wollenden Loch Ness vorbei nach Inverness, genauer gesagt auf die Black Isle in die Nähe von Cromarty. Da überall wieder kein „overnight“ parken erlaubt ist, checken wir mal wieder auf einem Zeltplatz direkt am Sandstrand ein und nutzen gleich am Abend noch die schönen warmen Duschen. Vorher war ich allerdings noch mit dem Rad bei der 1 km entfernten Spitze der Halbinsel, am Leuchtturm.

Mittwoch, 21. September

Heute geht’s nach Fort William. Hier habe ich mir im Familienurlaub 2007 meine ersten Wanderschuhe gekauft. Und kaum zu glauben, aber das Geschäft gibt es immer noch. Wir drehen eine Runde durch die Stadt, nachdem wir uns im Wohnmobil Spaghetti Bolognese (aus dem Glas – nie wieder!  ;-() gemacht hatten. Sogar das städtische Museum besuchen wir (hauptsächlich deswegen, weil es zu tröpfeln beginnt), aber es ist sehr interessant. Dann gehen wir noch zum Bahnhof, da von hier aus der berühmte Jacobite-Train von Fort William nach Mallaig fährt. Wir wollen versuchen, Karten für die Fahrt am Donnerstag zu bekommen: leider Fehlanzeige. Es geht fast nur über das Internet, Restkarten könnte es lediglich am Donnerstag kurz vor Fahrtbeginn (10:15Uhr) geben. Also abwarten,….

Da auf dem Parkplatz am Hafen leider wieder ein Schild „no overnight parking“ steht, ziehen wir noch weiter und versuchen unser Glück bei der 7 Meilen entfernten Bergbahn zum Ben Nevis, dem höchsten Berg Englands – und sind erfolgreich. Wir können sogar noch etliche Jugendliche und auch Erwachsene dabei bewundern, wie geschickt sie hier ihre Mountainbikes auf und über den Test Parcours bewegen: echt gigantisch. Hier wird auch der World Cup für das Downhill Mountainbiking ausgetragen.

Dienstag, 20. September

Nach dem Frühstück, dem Einkauf und Tanken kamen wir erst durch Glasgow und dann bei blauem Himmel am wunderschönen Loch Lomond vorbei, einem unendlich (so erschien es mir jedenfalls ;-)) langen See, der wunderschön gelegen und von Bergen umhüllt ist. Die Berge sehen für mich aus wie auf einer Modelleisenbahn, wie mit Graspulver bestreut – einfach herrlich! Heute finden wir schon gegen 16:00 Uhr einen wunderschönen Übernachtungsplatz, von dem aus wir die herrliche Landschaft genießen können.

Montag, 19. September

Es ist schon kurz vor 12:00 – noch eine knappe halbe Stunde haben wir, um die Bilder der letzten Tage für euch hochzuladen. Und dann wollen wir durch den Lake District über Gretna Green und den Hadrian Wall Richtung Schottland weiterfahren – das Wetter ist übrigens bestens, wenn inzwischen auch etwas kalt. Bis irgendwann denn wieder,…..
Und da bin ich schon wieder: inzwischen ist es Dienstagabend und wir haben einen herrlichen Stellplatz für die Nacht auf 260m Höhe, mitten in den schottischen Highlands gefunden: mit einem herrlichen Blick auf die Berge, Wälder, einen See direkt vor uns, Wolken und auch Sonne,….
Und vielleicht sehen wir ja noch ein paar Hirsche in der Dämmerung?
Aber der Reihe nach: gestern fuhren wir noch im Lake District bis Workington am Meer entlang, vorbei an herrlichen Sandstränden und Dünen: kaum zu glauben, dass Sellafield auch hier in dieser Idylle und Bilderbuchlandschaft liegt. Sellafield ist eine riesige Atomanlage und Wiederaufbereitungsanlage, das erste britische Atomkraftwerk überhaupt, erbaut 1950 und die Irische See hier ist eines der am meisten radioaktiv verseuchten Meere der Welt geworden. Schade,….
Unsere Fahrt ging dann noch durch den Lake District hindurch zum wohl schönsten See (wie ich las), namens Ullswater (15 km lang), der von Bergen eingerahmt ist und dann nach Penrith auf die M6. Der Lake District (in der Grafschaft Cumbria) hat uns sehr gut gefallen, nur kommt man hier auf Grund schmaler Straßen wohl am Besten mit einem super kleinen Auto vorwärts. Wer Einsamkeit liebt, ist hier – zu Fuß – (wenn nicht grad Nebel ist) in den Bergen und Tälern bestens aufgehoben,…. 😉
Schnell waren wir dann in der „Grenzstadt“ Carlisle und dachten, wir würden gleich hier auf den Hadrian`s Wall stoßen – aber nichts da. Wir erfuhren, dass wir guterhaltene Teilstücke und auch ein Informationszentrum eher im mittleren Teil und in der Nähe von Newscastle finden. Der Hadrians Wall ist knapp 5m hoch und 3m stark und davor liegt ein bis zu 9m breiter Graben, erbaut zwischen 122 und 128 n.Chr. Also verschoben wir die Besichtigung auf unsere Rückfahrt und machten uns auf den Weg nach Gretna Green, in den allseits bekannten ersten schottischen Ort nach der „Grenze“, in dem das schottische Ehegesetz gilt und in dem man bereits mit 16 Jahren und mit nur zwei Trauzeugen – auch heute noch – heiraten kann. Hier haben wir das Museum besichtigt und uns gestärkt! Ein netter Ort war es!
Übrigens wies ein Schild mit folgenden Worten an der Autobahn drauf hin, dass wir nun in Schottland waren: „Scotland welcomes you“. Hat uns gefreut!


Impressionen von Gretna Green:
Und wir haben auch gleich die gerade in Gretna Green erworbene CD mit schottischen Pipes laufen lassen,… Na ja, ist noch etwas gewöhnungsbedürftig,….
Und weiter ging es Richtung Norden bis ca. 30 km vor Glasgow nach Lanark: hier fanden wir einen Übernachtungsplatz in der Stadt, nett und ruhig gelegen. Und gleich beim Lidl, so dass wir uns am Abend und am nächsten Morgen mit den „leckeren“ englischen Brötchen versorgen konnten.
Kurz hinter Lanark liegt New Lanark: hier entstand 1799 eine Mustersiedlung nach den Iddeen des Sozialutopisten Robert Owen. Er ließ Wohnhäuser für die Arbeiterfamilien bauen, richtete eine Rentenkasse ein, eine Lebensmittel-Kooperative, in der die Waren zum Selbstkostenpreis abgegeben wurden, eine Kantine sowie einen Kindergarten und eine Schule. Und mit all den Verbesserungen erreichte er eine beträchtliche Gewinnsteigerung. 1968 wurde die Fabrik geschlossen, die Gebäude verfielen. In den 1990er-Jahren begann man mit der Restaurierung der Siedlung, die 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Sonntag, 18. September

Heute wollen wir mit der berühmten Dampfeisenbahn (Steam Railway), die bereits seit 1875 verkehrt, ins Gebirge hineinfahren. Man kann mit ihr 7 Meilen (40 Minuten) gemütlich durch grüne Natur-Landschaften bis zum Fuß von Englands höchstem Berg, dem Scafell fahren. Wir lasen, dass man die Räder mitnehmen kann uns setzten das – als einzige des 10:25 Dampfzugs auch um. Der Zug war gut gefüllt und es war witzig, sich in den kleinen Abteilen durch die wunderschöne Landschaft, die wie eine Märchenlandschaft mit viel Wald und Farnen aussah, schaukeln zu lassen.


„Oben“ angekommen – wir dachten laut Plan eigentlich, dass „oben“ so an die 300 Höhenmeter bedeutete – aber weit gefehlt: grad mal 50 Höhenmeter waren wir OBEN! Schön war es trotzdem und auf den Schrecken (;-)) hin, tranken wir erst mal gemütlich ein Teechen. Auch ich, wohlgemerkt.
Dann setzten wir uns auf die Räder und fuhren mal los – es war eine kleine Straße hier (theoretisch hätten wir also auch per Auto kommen können) und wir fuhren immer weiter ins Gebirge hinein: kaum noch Menschen, dafür umso mehr Schafe (manche sahen aus wie „Dalmatiner Schafe“, waren gepunktet) und Landschaft. Echt schön!
In der Ferne entdeckte ich dann die Serpentinen zu dem berühmten Hardknott – Pass. Das sah ja interessant aus: eine Steigung von 30%! Wie sich das wohl anfühlte? Wir näherten uns einem kleinen Parkplatz, ließen da unsere Räder angeschlossen stehen und gingen bzw. stiegen zu Fuß weiter hoch: auf die 200 Meter schafften wir es bestimmt und kamen zu den Überresten eines alten römischen Forts, dem Hardknott Roman Fort, von dem aus man eine herrliche Sicht über das ganze Eskadale hatte. Dort drehten wir um (zum Pass hätten wir bestimmt noch eine Stunde gebraucht), da sich immer mehr Wolken zusammenballten. Die Strecke zur Dampfbahn, nach Dalegarth (Boot) schafften wir gut und dann entschieden wir uns die letzten 7 Meilen zum Campingplatz nach Ravenglass auch vollends mit den Rädern zurückzufahren. Und das wurde fast zur Tortur,…. Oh je! 😉
Wieder mal dachte ich ja, dass es nur den Berg vollends runtergeht – das tat es anfangs auch und wir kamen durch „Ortschaften“, die meist nichts anderes sind als ein großer Bauernhof – und zwischen Wohnhaus und Stallungen führt die „Straße“ quer durch den Hof. Gott sei Dank kamen uns nur wenige Autos entgegen oder überholten uns. Als wir dann aber die letzten zwei Meilen auf der „großen“ Straße fahren mussten, war mehr Verkehr und vor allem stand uns wieder eine Steigung von 7 % bevor. Da half mir nichts, als abzusteigen und zu schieben,… Nass vor Schweiß kamen wir gegen 16:00 auf dem Zeltplatz an und ich glaub, so habe ich mich noch nie auf eine Dusche gefreut wie heute,…. Herrlich wenn man wieder trocken ist! Den Abend verbrachten wir gemütlich am – PC! (um das Wifi zu nutzen) – und in der „Waschküche“, denn hier gab es sowohl eine Waschmaschine als auch einen Trockner. Leider dauerte das normale Waschprogramm hier 3 Stunden und der junge Mann, der nach uns waschen wollte, tat mir schon Leid, da er ewig warten musste – so kamen wir aber ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er zwei Wochen durch den Lake District zu Fuß unterwegs war.

Samstag, 17. September

Der Stellplatz war wohl früher mal ein Zeltplatz mit großen Flächen gewesen – nun standen nur noch zwei Wohnwagen hier, alles war verwaist und auch im Haus war niemand zu finden. Unsere Nachbarn meinten, die Besitzerin sei krank – und so warfen wir ihr den Betrag für die Nacht mit einem netten Schreiben in den Briefkasten….. und zogen weiter, natürlich Richtung Norden.
17092016_c-preston_uebernachtungfarm
Für heute hatten wir uns den größten englischen Nationalpark, den Lake District vorgenommen und da sollte es am Meer in Ravenglass auch einen Zeltplatz geben: das wäre super – wir hatten mal wieder einiges zu waschen und unsere Webseite weiter zu bearbeiten (dazu brauchen wir Wifi).
Doch vorher ging es in das kleine Städtchen Ulverston: hier hatte ich für Peter (oder eher für mich?) eine besondere Überraschung: ich lachte mich schon vorher „kringelig“ und freute mich riesig – hatte ich doch früher als Kind die Filme mit „ihm“ besonders geliebt! Hier in Ulverston gibt es nämlich ein „Stan Laurel Museum“ – einen Kinoraum mit alten Kinosesseln und zwei Ausstellungsräume mit vielen Erinnerungsstücken, Fotos, Figuren und auch Kitsch an „Dick und Doof“. Das Museum ist natürlich in dem Ort, da Stan hier geboren wurde.


Da schönstes Wetter ist, lassen wir uns noch eine Kleinigkeit in der Fußgängerzone schmecken, bevor es zu dem Zeltplatz geht. Wir durchfahren eine wunderschöne Landschaft mit vielen grünen Bergen und einigen Seen.
Der Zeltplatz war trotz Nebensaison ausgebucht, aber der nette Chef hatte uns doch noch ein Plätzchen: super! Ihr könnt es euch bestimmt denken, dass ich dann erst mal wieder loszog, um die Gegend zu erkunden?!
Der kleine Ort Ravenglass liegt an der Mündung einiger Flüsse und besteht aus einer einzigen Straße. Als früher noch die Römer hier weilten, war der Ort ein wichtiger Hafen. Heute liegen nur kleine Fischerboote in der versandeten Mündung. Dahinter erstreckt sich ein riesiges Dünengebiet, das Nistplatz Tausender von Möwen sowie der seltenen Seeschwalben ist. Wenn ich nur in dieses Gebiet käme? Da bleibt wohl nichts, als ganz außen herum zu fahren,….. schade, denn dafür ist es heute bereits zu spät. Aber auch von dem Hafen, der im Trocknen liegt, bin ich ganz begeistert und maxche Fotos über Fotos, bevor ich dann kurz nach Sonnenuntergang ins Wohnmobil zurückkehre – und mit Peter weiter an der Webseite bastle.
Es war eine wunderschöne und für mich einmalige Stimmung am „Meer“ – das heißt, eigentlich – da ja Ebbe war, im unendlich langen und breiten Sandbecken. Steine, Tang, viele Vögel, die zwitschernd und auch kreischend durch diese Landschaft flogen, der Geruch oder eher Gestank nach Fisch und Meer, die tolle Stimmung, die sich auch durch die Sonne, die durch die Wolken schien, ergab: alles in allem eine fast mystische Atmosphäre – ganz, ganz toll und empfehlenswert!

Freitag, 16. September

Das Wetter sieht ganz gut aus, als wir aufwachen und so gehe ich schon mal zum Ticketschalter der Bergbahn. Leider kommen wir zu spät 😉 – für heute sind bereits alle Tickets verkauft! Wir können höchstens noch zu Fuß den Snowdon erklimmen: ca. 2,5 – 3 Stunden einfach, bräuchte man dazu, wird mir gesagt. Aber irgendwo in der Mitte sei ein Café. Na, das wäre doch was!
Doch just in dem Moment, als wir uns fertigmachen, kommt ein Regenguss herunter und so entscheiden wir uns um und sehen es als Art Zeichen: „Schottland ruft! Los geht es!“ Wir werden also ein Stückchen weiterfahren und heute mal die Landschaft vom Auto aus genießen!
Tolle Panoramen folgen: Seen, Bäche, saftig grüne Wiesen (kein Wunder, denn es regnet ja auch genug), Moorgebiete – einfach grandios, zudem die Sonne immer wieder hinter den Wolken hervorkommt und alles in ihrem wärmenden Licht anstrahlt.


Über enge Sträßchen geht es durch den Nationalpark mit herrlichen Aussichten nach Bala. Auch hier ist ein wunderschöner See, an dem wir Rast machen. Wäre es mir nicht so frisch (16 Grad), könnte ich mir hier sogar ein Kajak mieten.

Weiter geht es durch die Cambrian Mountains (hier sieht es dann wie im Allgäu aus: grüne Wiesen, hügelig – und Schafe über Schafe und sogar Fasane: wegen einem testen wir voll unsere Bremsen: er hat es geschafft! ;)) Richtung Wrexham und – dann hinein in den Verkehr: Stau folgt auf Stau (das ist man nach der Woche im einsamen Wales gar nicht mehr gewöhnt), unser Navi führt uns zwischen Liverpool und Manchester hindurch nach Warrington. Warum Warrington? Hier gibt es IKEA! Und ein englisches IKEA steht auch auf unserer „Wunschliste“. Am späten Nachmittag lassen wir uns nun da eine Suppe und ein Hühnchen mit Gemüse schmecken – und hinterher in gemütlichen Ohrensesseln natürlich Tee und Käsekuchen mit Beeren drauf! Und der war richtig lecker!!!!
Kein Wunder, dass viele der Engländer, denen wir so begegnen, recht „gut genährt“ sind: es gibt sehr viel Zucker überall, vorwiegend Torten mit Cremes, viel Sause, große Portionen (wir teilen sie uns meist). Mir gefällt es!
Erst nach 20:00 Uhr finden wir den Weg nach draußen und nach der TV-Sendung „Soko Leipzig“ starten wir weiter Richtung Norden zum nächsten Stellplatz, irgendwo kurz vor Preston (ca. 100km auf der Autobahn, auf der übrigens die Straßenbeleuchtung übrigens nur von Mitternacht bis 5:00 Uhr morgens ausgeschaltet ist.

Donnerstag, 15. September

Geschlafen haben wir wunderbar – nur erwarteten wir, als wir gegen halb acht schon aufwachten, eigentlich von der Sonne geweckt zu werden. Leider Fehlanzeige! Sonne sehen wir heute noch keine: alles ist neblig und erinnert uns an Ulm. Aber es war total ruhig, kein Laut war zu hören, nichts zu sehen. Nicht einmal ein Schaf,….. So einsam hatten wir noch nie gestanden. Gegen acht bereitete Peter das Frühstück zu, lecker mit Spiegelei und hinterher noch Porridge. Und den nicht nur so, nein – mit Apfel und Banane angereichert. Total lecker war es!
Einige Telefonate in die Heimat folgten und nach und nach hebt sich dann der Nebelschleier und wir steigen zum höchsten Punkt hoch, immer der Straße nach, vorbei an vielen, vielen süßen Schafen. Oben angekommen, sehen wir wieder nichts (schade ;-)), hören nur das Meer rauschen. Als ein Engländer hochgefahren kommt, kommen wir ins Gespräch und er gibt uns noch ein paar Tipps für die Gegend hier. Und die setzen wir dann natürlich gleich um: also nichts wie zurück zum Wohnmobil, alles startklar machen und dann ab zum Strand, und zwar zu einem ganz besonderen: dem „Whispering Sand“ in Porth Oer. Wir finden den Weg, wieder mal auf besonders engen Sträßlein – nur gut, dass uns nicht viele entgegenkommen oder wenn, dass dann gleich Haltebuchten in der Nähe sind. Sehr schön!


Natürlich kostet auch hier das Parken wieder, außer wir wären Mitglieder im National Trust (was zu überlegen wäre, wenn man mal wieder hier Urlaub macht). Schnell sind wir beim einsam gelegenen Strand und – tatsächlich, wenn man auf ihm läuft, dann gibt es hier quietschende Geräusche – echt lustig. Peter hat die Geräusche sogar aufgenommen…
Wir spazieren am Strand entlang und ein Stück des Küstenwegs, mit mal mehr, mal weniger Nebel. Erst als wir uns in das nette kleine Café am Strand setzen, kommt die Sonne heraus und wir lassen uns Tee, eine „Soup of the day“ und eine „Jacket potatoe“ (gefüllt mit baked beans und Käse) schmecken.

Mittwoch, 14. September

Wir haben auf dem großen Parkplatz recht gut geschlafen, werden aber beizeiten von kreischenden Möwen geweckt. Herrlichstes Wetter erwartet uns, Sonne pur! Da steht man doch gerne auf. Nach dem Frühstück ziehen wir dann auch los und nutzen die Eisenbahn- und Fußgängerbrücke, um in ca. 15 Minuten zur anderen Seite des Flusses zu gelangen. Mit dem Auto mussten wir über eine halbe Stunde um den ganzen Fluss fahren: erst in das Städtchen Dolgellau, um dann nach Barmouth zu gelangen. Die Ebbe kommt jetzt so langsam und überall in dem breiten Fluss werden Sandbänke sichtbar. Dahinter erheben sich die für Wales (oder für mich?) typischen Berge. Wir gehen zurück, schauen das Städtchen an, setzen uns beim Marktplatz an einen kleinen Café Kiosk, der uns an Lissabon erinnert und lassen uns typische Wales Cakes (mit Butter) und natürlich black tea schmecken. Auch ich verzichte nun immer mehr auf meinen „geliebten“ Kaffee. Danach sind wir noch am Strand und haben einen weiten Weg (bestimmt 1,5 km) zum Meer zurückzulegen, bis wir endlich ganz vorne bei den Wellen sind – es ist ja schließlich auch Ebbe.


Wir entscheiden uns auf die Lleyn Peninsula (Halbinsel) weiterzufahren, die sehr schön sein soll. Schon die Fahrt dahin ist wunderschön, überall sind Dünen zu sehen und durch die Ebbe ausgetrocknete Flüsse. Alles ist grün, Schafe über Schafe, Berge, enge Sträßlein, wenig Verkehr und immer wieder herrliche Ausblicke aufs Wasser, bei bestem Wetter.
Wir suchen eine schöne Stelle zum Übernachten, werden aber erst nach dem Abendessen ganz hinten, wirklich am äußersten Ende der Halbinsel fündig – dafür stehen wir hier in absoluter Einsamkeit, nur umgeben von Heidekraut und Schafen, mit einem herrlichen Blick von ca. 150 m Höhe aufs Meer. Gegessen haben wir am Hafen von Aberdaron, Peter hat Lachs gebraten, dazu Kartoffeln und Salat gemacht – und ich? Ich hab mir das Städtchen angeschaut, dafür dann aber begeistert mitgegessen – und: aufgewaschen!

Dienstag, 13. September

Leider regnet es heute Morgen in Strömen: gut, dass ich mir bereits gestern das Städtchen angeschaut habe. Wir fahren knapp 30 km weiter – an einigen Menhiren vorbei – nach Aberystwyth, finden dort das Einkaufszentrum Morrisons und lassen uns im Café erst mal gemeinsam ein englisches Frühstück schmecken.
Und Peter freut sich auch mal, sich bedienen lassen zu können,….  😉

Frühstück bei Morrisons
Frühstück bei Morrisons

Da es hier auch Wifi gibt, holt Peter noch den PC aus dem Wohnmobil und wir laden gleich noch ein paar Texte und Bilder hoch.
Es ist so richtig gemütlich hier und wir genießen die Atmosphäre, beobachten die Menschen um uns herum – und lassen uns dabei noch einen Applecrumble schmecken, natürlich mit Vanillesauce. Lecker!
Hier in Wales ist übrigens alles zweisprachig: in walisisch und in englisch können alle Informationen gelesen werden.

zweisprachig - auch auf der Strasse
zweisprachig – auch auf der Strasse

Dann wird eingekauft – unter anderem natürlich auch wieder ein leckerer Salat. Das Wetter wird auch besser und unser Ziel ist nun Barmouth: das muss der Ort gewesen sein, in dem Peter und ich schon mal 2010 (als wir von Holyhead aus nach Irland gefahren sind) kurz gewesen sind.
Wir nehmen die kleineren Sträßchen, die Gegend wird hügeliger und ist sehr dicht bewaldet. Manche Berge sehen rot aus, da sie von Farnkraut „im herbstlichen Gewand“ überwuchert sind. Und Schafe über Schafe grasen auf den grünen Hügeln und Wiesen: so richtig gemütlich! An der Küste fahren wir entlang über Tywyn und LLwyngwril (ja, die Namen sind hier schon ganz besonders kompliziert!). Und letzteres ist süß: der kleine Ort ist von großen Häkeleien geschmückt. Ich steige aus und fotografiere und komme mit einem Waliser ins Gespräch.


Die Häuser sind in dem Gebiet recht einfach, es sind Steinhäuser, öfter sind sie farbig (mit Pastellfarben) gestrichen und haben kleine Erker, was mir persönlich sehr gut gefällt. Viele Häuser sind mit Blumen geschmückt und oft blüht es wunderschön, in den verschiedensten Farben.
Auch Palmen gibt es hier viele! (Golfstrom)


Die Straßen sind recht eng und ich bewundere wieder einmal Peter, mit welcher Gelassenheit er hier am Steuer sitzt. Und obwohl die Straße schon so eng ist, kommt uns noch ein Doppeldecker-Bus entgegen – und kaum zu glauben: eine Frau fährt ihn! Respekt!!!
Über Dolgellau und an einem breiten Fluss entlang, der jetzt aber bei Ebbe ausgetrocknet ist, kommen wir am Nachmittag nach Barmouth: ja! Es ist der Ort, der uns schon damals so gut gefallen hat. Er liegt an einem riesigen Sandstrand mit einigen Dünen und einige Häuser kleben fast an den dahinterliegenden Bergen. Wir übernachten auf dem großen Parkplatz, direkt am Strand.
Wie mich das freut! Natürlich ziehe ich nochmals los – am Besten erst mal auf den Berg, um alles von oben sehen zu können und beim Sonnenuntergang vespern wir dann am Strand 🙂

Montag, 12. September

Nach einer sehr, sehr stürmischen Nacht (es windete und regnete draußen) basteln wir noch bis 13:00 Uhr gemeinsam an unserer Webseite. Dann ziehen wir Richtung Fishguard los, besorgen uns dort was Essbares und vor allem etwas Süßes zum Kaffee. Und ein wunderschönes Plätzchen zum Kaffeetrinken finden wir dann auch gleich, im ältesten Viertel der Stadt mit seinen besonders hübschen Fischerhäuschen am alten Hafen. Was es Leckeres gibt? Karottenkuchen!


Weiter geht es dann über das Seebad New Quay (nur Touristenrummel – jedenfalls in unseren Augen) nach Aberaeron – und hier gefällt es uns. So gut, dass wir hier am Parkplatz am Liebsten gleich übernachten würden. Aber leider, wie so oft hier ist das Übernachten verboten! Und wenn es schon so da steht, nehmen wir es auch ernst! Wir schauen uns dann im TV, in SAT 1 die Sendung „Fahndung Deutschland“ an, denn hier kommt ein Beitrag, bei dem unsere Andrea Regie geführt hat. Danach brutzelt Peter Kurzgebratenes und ich mache den Salat dazu.
Dann schaue ich mir noch das süße Städtchen an, suche nach möglichen Parkmöglichkeiten für die Nacht, werde aber nicht fündig.
Aberaeron ist ein Musterbeispiel georgianischer Stadtplanung des frühen 19. Jahrhunderts. Viele farbige Häuser, besonders am Hafen bilden ein prächtiges und liebenswertes Ensemble.
So starten wir schweren Herzens wieder, aber – siehe da, wir finden kurz nach dem Ortsausgang eine Farm mit angeschlossenem Campingplatz, auf dem wir übernachten können.

Sonntag, 11. September

Während Peter weiter an der Webseite bastelt, ziehe ich wieder los, heute aber in die entgegengesetzte Richtung – Richtung Solva. 5 Meilen sollen es bis dahin sein, aber ich könnte auf dem Rückweg den Bus nehmen. Also geht es bei herrlichem Sonnenschein und stürmischem Wetter los und es ist wieder wunderschön! Solva ist ein kleiner Fischerort – auch recht touristisch. Ich finde, nachdem ich mir das Dorf angeschaut habe, in einer Kirche neben einer Gemäldeausstellung und Klaviermusik auch noch ein nettes Café und bestelle mir hier einen Kaffee und einen Möhrenkuchen. Als ich mich später bei der Bedienung für den leckeren Kuchen bedankte, strahlte sie übers ganze Gesicht und meinte, „er sei auch selbstgebacken“.


Da ich nun noch fast 90 Minuten auf meinen Bus warten müsste, entscheide ich mich zu Fuß zurückzugehen, und bereue es nicht. Kurz nach 16:00 Uhr bin ich wieder „daheim“ und dann gehen Peter und ich noch ins Dorf St. David`s, das seit dem Mittelalter ein bedeutender Pilgerort ist. Papst Calixtus II. stufte die Wertigkeit dieses Wallfahrtsziels immerhin als halb so hoch ein wie die Roms.
Die Kathedrale, St. David`s Cathedral erhebt sich majestätisch im Tal. Sie ist dem Nationalheiligen David geweiht, der im 6. Jahrhundert einer der ersten Missionare in Wales war und hier ein Kloster gründete. Nach Überfällen der Wikinger im 12. Jahrhundert entstand die Kathedrale in ihren heutigen Dimensionen.
Auf der anderen Seite des kleinen Flusses stehen noch die Ruinen des Bischofspalastes, in dem wohlhabende Pilger logierten.
typisches walisisches Steinhaus
typisches walisisches Steinhaus

Kirche in St. David's
Kirche in St. David’s

Samstag, 10. September

Nach einem Morgenspaziergang am Strand

Morgenspaziergang
Morgenspaziergang

frühstücken wir gemütlich und fahren dann ca. 15 km nach Haverfordwest: hier gibt`s das Einkaufszentrum Morrisons und so decken wir uns für das Wochenende ein. Vor allem freut uns das leckere Salatbüffet, von dem wir uns eine große Portion (reicht für uns beide) für 3,50 Pfund mitnehmen. Die Sonne kommt nun vollends raus und nichts hält mich mehr, unseren nächsten Zeltplatz in St. David`s anzusteuern (besser gesagt: mich dorthin fahren zu lassen 😉 – die Straßen sind hier doch relativ eng und dann noch der Linksverkehr, das traue ich mir leider (noch?) nicht zu).
Motorräder, wie sie unsere Großeltern fuhren...(mit Korbsessel !)
Motorräder, wie sie unsere Großeltern fuhren…(mit Korbsessel !)

Es sind nur 15 km bis dahin und so sind wir schon mittags da, haben einen herrlichen Platz mit bester Aussicht und das Beste: wir haben endlich mal wieder Wifi, so dass wir – das heißt Peter in dem Fall (bitte bedankt euch bei ihm) – die Webseite weiter voranbringen können. Dann lassen wir uns gleich unseren Salat, der übrigens voll lecker war, schmecken.
ein schöner Stellplatz (mit WiFi) auf dem Campingplatz
ein schöner Stellplatz (mit WiFi) auf dem Campingplatz

unser leckerer Salat (von Morrisons)
unser leckerer Salat (von Morrisons)

Danach noch ein Käffchen und dann hält mich nichts mehr – denn der Küstenwanderweg (Pembrokeshire Coast Path) geht genau am Zeltplatz vorbei. Ist das herrlich hier! Dieser Weg geht hoch und runter an zerklüfteten Klippen und zauberhaften Sandstränden vorbei, mitten durch eine wunderschöne, mit Heidekraut übersäte, einsame Landschaft. Ich komme aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus und auch nicht mehr vorwärts – Gott sei Dank erinnert mich unsere Tochter per Whatsapp Nachricht dran, dass man Bilder nicht auf dem Handy aufbewahrt und behält, sondern im „Kopf“.
Wie Recht sie doch hat!
Erst gegen 19:00 Uhr komme ich zurück, dusche und esse noch und falle nicht viel später müde ins Bett.