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28.3.2016 Caminha – Santiago de Compostela

Wir haben auf dem Zeltplatz inmitten des wunderschönen Pinienwaldes wunderbar und ruhig bis gegen neun Uhr geschlafen – sogar ich! So langsam gewöhne ich mich wohl an den neuen Rhythmus. 😉

Der Platz selbst ist sehr schön angelegt.  Rechts vom Platz  ist der Grenzfluss, der Portugal von Spanien trennt. Links ist das offene Meer: ein breiter Sandstrand mit Dünen. Zum Kajakfahren wäre es hier – wäre das Wetter besser – bestimmt ideal. Okay, vielleicht klappt das ja ein anderes mal.

Die ganze Nacht hat es schon geschüttet und es ist auch laut  Wetterapp hier kein Ende des Regens in Sicht. Aber in Santiago, das 130 km von hier in nördlicher Richtung liegt und dem  wir natürlich  auch einen Besuch abstatten wollen (wenn wir schon mal in der Gegend sind)  scheint anscheinend die Sonne. Wir überlegen kurz und los geht es! Nach Santiago! Da sind wir flexibel. Und wir denken noch rechtzeitig an unsere portugiesischen Briefmarken und Postkarten, schreiben Sie  noch schnell und finden auch noch einen Briefkasten, bevor es über die Grenze geht. Hatten wir das nicht schon mal in Spanien, bevor es nach Portugal ging? Erinnert ihr euch?

Landschaftlich ist es eine sehr schöne Strecke, die wir nun fahren. Fjordartige Einschnitte, die uns an die nordischen Länder erinnern, Berge – leider noch durch viele Wolken verdeckt – , kleine Ortschaften,….

Das Wetter wird aber besser und als  wir gegen 16 Uhr den Zeltplatz in Santiago dank unseres Handys, das uns nun seit letztem Samstag  gut navigiert, finden, scheint sogar noch etwas die Sonne.  Auch Pilger haben wir gesehen und vor allem die Pilgerzeichen, die den Weg zeigen. Tee aus der Thermoskanne zum Aufwärmen  gab es auch wieder, wie zum Anfang unserer Reise. Kalt genug war es ja auch inzwischen wieder,….

Und wir haben, seit wir wieder in Spanien sind, Zeitumstellung und brauchen uns nicht mehr zu wundern, dass die Sonne hier erst 8:20 Uhr aufgeht: hat alles seine Richtigkeit . 😉👍

Der Zeltplatz in Santiago liegt nur drei Kilometer vom Zentrum entfernt und so ziehen wir noch los, wie echte Pilger natürlich zu Fuß. Ich bin schon sehr auf die Atmosphäre hier gespannt,…. Und wir beide haben auch einige Bücher vom Jakobsweg gelesen.

Santiago ist das religiöse Zentrum Spaniens, die Stadt, in der alle Pilgerwege (auch der, der durch Ulm führt und den ich schon einige Kilometer mit dem Rad gefahren bin) zusammenkommen.

Ja, so einen Pilger- oder Wanderweg würde ich auch gerne mal machen bzw es mal ausprobieren. Erst mal reizt mich da die Strecke von München zum Bodensee – einfach losgehen und sich überraschen lassen, nette Begegnungen haben, Begrenzungen hinter sich lassen, …. Mit dem Rad habe ich das im Allgäu schon probiert und es war super.

Aber ist es nicht eigentlich dasselbe, das wir jetzt schon tun?  Nur haben wir jetzt noch den großen Vorteil, vor Regen und Kälte geschützt zu sein, unser Heim dabei zu haben: einen Ort zum Kochen und Schlafen.  Ich genieße es sehr, jeden Tag neue Eindrücke und Begegnungen zu haben, gespannt zu sein, wo man überall vorbeikommt, was man unternimmt, wo man sowohl nette Plätze als auch einen Übernachtungsplatz findet, wie die Gegend so aussieht, wen man alles so trifft, mit wem man auf dem WEG ins Gespräch kommt,…..ist das nicht auch ein „Camino“? Der Weg zu sich selber?



 

Aber nun zurück nach Santiago: im 9. Jahrhundert entdeckte man hier anscheinend das Grab des Apostels Jakobus des Älteren und so wuchsen die Pilgerströme hierher in die Millionen. An den Wegen hierher siedelten sich Mönche an, die die Pilger versorgten. Und dankbare Pilger stifteten zum Teil große Geldbeträge: so konnten Kloster gegründet werden, Kirche und Hospize gebaut werden. Auch Santiago kam zu Reichtum, und den sehen wir noch heute in den großartigen Bauwerken der Stadt- so wie in der Kathedrale. Sie ist riesig, gut mit Gold gefüllt und  hat viele Kapellen, in denen, als wir da waren, auch kleinere Messen stattfanden.

Nach dem Besuch der Kathedrale schlendern wir noch gemütlich durch die bezaubernde Altstadt mit ihren vielen Gassen und all den alten Gebäuden, die bestimmt viele und lange Geschichten aus alter Zeit berichten könnten. Und natürlich  lassen wir noch die Atmosphäre in einem netten Café ( das zwar kunterbunt, aber sehr gemütlich mit Stühlen und Sofas eingerichtet ist) bei einem Kaffee nachklingen, bevor wir dann wieder – natürlich zu Fuß, wie ein echter  Pilger – zurückgehen.

Und für alle, die es interessiert, hier ist der Sonnenuntergang erst um 22 Uhr.