Schlagwort-Archive: 31.03.2016

31.03.2016 Fisterra

War das ein wunderschöner Tag heute! Sind nun grad um kurz nach neun abends, nach Sonnenuntergang ins Wohnmobil gekommen, nachdem wir noch mit den Rädern zum Sonnenuntergang am Strand waren und uns dort am Strand Brot und Käse haben schmecken lassen. Aber die letzten Meter heim war es eisekalt. Und wie haben wir uns gefreut, daheim dann gleich einheizen und Wasser für einen Tee aufsetzen zu können.
Das tut gut! Und so sitze ich nun und tippele wieder meine heutigen Erlebnisse ins Handy, während Peter die letzten Seiten seines Buches von Ken Follett liest.

Aber nun der Reihe nach: wie üblich haben wir den Tag gemütlich – heute allerdings mit Sonnenschein – begonnen. Und dann ging es auf dem Jakobsweg zum Kap Finisterre. Ein schöner drei Kilometer langer Weg mit ca. 130 Höhenmetern – zwar neben der Straße, aber es war kaum was los.
Die Vögel zwitscherten.
Das Meer rauschte.
Die Sonne schien und es war angenehm warm.
Einfach herrlich!
Oben angekommen, gingen wir um den Leuchtturm und setzten uns davor auf die Steine, die rund um den Leuchtturm liegen.
Wir hatten eine herrliche und klare Sicht und konnten die Strecke sehen, die wir gestern am und um das Meer und dessen Fjorde entlang gefahren sind.
Auf der einen Seite der Küste sind Berge, auf denen verstreut Steine über Steine liegen und auf der anderen Seite zieht sich der Wald bis an die Küste.
Ich hatte mir hier alles eben und eher langweilig vorgestellt. Und bin nun natürlich begeistert wie schön es hier ist. Diese Vorstellungen auch immer! 😉
Goldgelbe Sandstrände blitzen auf und das Meer schimmert in den verschiedensten Blautönen.
Möwen kreischen über uns.
Einzelne Schuhe und auch Kleidung (Überbleibsel von Menschen, die den Camino gegangen sind) hängen hier an Felsen oder an Stangen. Oft sieht man an der Asche, dass Kleidung verbrannt wurde –
Kleidung, die ihren Zweck getan hat und nun nicht mehr gebraucht wird.
Besonders berühren mich zwei paar Wanderschuhe. An dem einen Paar hängt das Bild einer jungen Frau und einige Daten von ihr: wann sie geboren und leider auch wann sie gestorben ist, was sie beruflich gemacht hat und wann und wieweit sie den Camino gegangen ist. So was berührt! Und man spürt hier ganz besonders diese besondere Atmosphäre des Caminos – jedenfalls geht es mir so.
Hier ist noch Einsamkeit pur. Jedenfalls jetzt, Ende März. Wie es wohl im Sommer aussieht, wenn es auch hier wärmer ist?
Der Frühling bahnt sich aber auch hier an: die Knospen öffnen sich, wenn auch langsam.
Ein Musiker spielt hier und erinnert mich mit seiner Musik eher an Schottland als an Spanien.
Wir sitzen bestimmt über eine Stunde hier, jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt.
Irgendwann gegen zwei brechen wir auf, ein Hungergefühl meldet sich. Aber hier oben hat (noch?) nichts geöffnet.
Am kleinen Hafen in Finisterra finden wir dann ein nettes Lokal mit sehr freundlicher und aufmerksamer Bedienung, können draußen in der Sonne mit Blick auf den Hafen sitzen. Und hier gibt es Muscheln. Wir bestellen uns eine Platte mit den verschiedensten Muschelarten. Klasse und – sehr, sehr lecker. Peter ist nicht so begeistert, aber probiert auch alles. Es herrscht eine freundliche gelassene Atmosphäre hier, nebenan wird Gitarre gespielt. Ein Mann – wie sich herausstellt, ist er aus Madrid – sprach uns an. Er sei vor einigen Jahren den Jakobsweg gelaufen und dann hier in Finisterre hängen geblieben. Hier gefiele es ihm, wenn auch das Wetter hier sehr unbeständig sei. Beim Zahlen im Lokal werde ich von einer jungen Frau auf deutsch gefragt, ob das Essen uns geschmeckt hätte. Sie sei seit fünf Jahren wegen der Liebe hier hängen geblieben.
Ja, es ist ein besonderer Ort hier, der hat was! Und so haben wir auch beschlossen mindestens noch einen weiteren Tag hier auf dem Stellplatz ( der übrigens super ist, toller Blick, freundlicher Besitzer, Entsorgung, Wasser) zu verbringen.
Wir besorgen noch im Laden Brot und Käse und den Rest kennt ihr ja schon vom Anfang meines Berichtes.