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03.04.2016 Fisterra – Guitiriz


Da das Wetter nun regnerisch und kalt ist und auch keine Besserung in Sicht ist, packen wir – schweren Herzens – zusammen. Hier hat es uns sehr gut gefallen: das Städtchen und seine freundlichen Bewohner, der nette Eigentümer des Platzes, die grandiose Landschaft – wirklich ein tolles „Ende der Welt“.
Es geht weiter nach Muxia, das noch etwas nördlicher liegt. Die Küste ist hier wieder sehr verzweigt , wie „ausgefranst“ und erinnert mich an Irland oder auch Norwegen mit seinen vielen Fjorden. Es ist eine einsame Gegend hier, durch die wir fahren. Toll für die, die diese Einsamkeit suchen. Uns gefällt es!
Muxia ist ein netter Ort mit Hafen, einigen Geschäften, vielen Lokalen – auf dem Kap ganz vorne neben dem Leuchtturm ist das „Kloster der heiligen Mutter der Schiffe“. Viele Segelschiffe hängen von der Wand herunter – denn so mancher Seemann, knapp vor dem Ertrinken, betete zu der heiligen Mutter und versprach ihr alles, wenn er nur gerettet würde.
Wir kletterten noch bei stürmischem Wetter hoch aufs Kap und hatten einen herrlichen Blick auf den Verlauf der Küste, den Leuchtturm fast gegenüber (der Luftlinie vielleicht drei und mit dem Auto bestimmt 30km entfernt war) und das tobende Meer vor uns.
Es soll noch weitere schöne Plätze hier geben, aber man darf die Entfernung und die engen Strässchen nicht unterschätzen. Man kommt nur langsam vorwärts. Wir entschieden uns noch dazu, einen -laut Wohnmobil – Reiseführer – besonders schönen Platz aufzusuchen und dann dort zu übernachten: Playa da Ermida bei Corne. Hier ist eine weite Dünenlandschaft umgeben von Wiesenflächen und anscheinend einem Süßwassersee. Den Platz fanden wir dank der Koordinaten und des Handys sofort, aber einen See? Ich war enttäuscht von diesem scheins so schönen Platz, suchte und suchte die Schönheit, aber es war nur kalt und regnerisch. Und auch hier war die Wetterprognose nicht besser, im Gegenteil.
Peter und ich beratschlagten, was wir tun sollten. Schon vor ein paar Tagen sagte Peter, dass das Wetter in Südfrankreich oder Südspanien viel besser sei. Und ich lachte ihn aus,…… Wollte ich doch nun so gerne an der spanischen Atlantikküste gemütlich bis Biarritz zuckeln.
Aber bei den Aussichten?
Nein!
Innerhalb von zehn Minuten stand unser Entschluss dann fest: los geht es nach Barcelona. Ein großer Umweg ist es nicht ( wenn man mal von 200-300km absieht), und wir haben dort Wärme.
So fuhren wir noch drei Stunden bis kurz nach 23:00 Uhr und fanden, als wir „zufällig“ in Guitiriz, (das liegt in der Mitte zwischen La Coruna und Lugo) von der Schnellstraße abfuhren, auch sofort einen Stellplatz für die Nacht.

01.04.2016 Fisterra

Es ist so wunderschön hier, dass wir noch einen weiteren Tag und eine weitere Nacht hier auf dem Stellplatz bleiben werden. Der Stellplatz kostet fünf Euro, ist aber so schön mit Entsorgung und Wasser hergerichtet, hat einen tollen Blick aufs Meer, dass wir dem freundlichen Besitzer diesen Betrag gerne zahlen. Und wir haben herrliches Wetter.
In einer kleinen, sogar deutschen Bäckerei habe ich frisches Brot, Baguette und Croissants geholt. Es ist kurz nach neun hier und noch wenig los im Städtchen. Kein Wunder, die Sonne geht auch erst viertel neun auf. Nur ein paar Pilger sind mir schon begegnet.
Heute geht es dann mal wieder mit den Rädern los. Erst ein Stück auf dem Pilgerweg auf einem schön angelegten Weg hinter den Dünen und durch den Wald entlang bis ins nächste Dorf und dort dann nordwärts. Hoch und runter geht es auf kleinen Landstraßen, auf denen uns kaum ein Auto begegnet bis nach Santo Estevo de Lires. Wieder mal sind wir froh, Ebikes zu haben und die Berge leichter hoch zu kommen.
In dem kleinen Ort gibt es ein nettes Lokal, viele Pilger sind schon da oder kommen gerade vorbei. Die Bedienung hat in der Schweiz gelernt und spricht somit deutsch. Wir genießen das schöne Wetter und können hier sogar unsere Räder wieder aufladen. Die Ladegeräte hatten wir vorsorglich schon mitgenommen.
Die Rückfahrt wird dann abenteuerlich, denn viele der Wege, die wir fahren müssen, stehen unter Wasser und da hilft nur eins: ohne Anhalten durch. Peter macht mir Mut – und es klappt!
Dann kommen wir noch an einem weiteren wunderschönen Strand vorbei – man hört das Meer und zusätzlich einen kleinen Bach rauschen, der hier ins Meer fließt. Der ideale Platz für ein kleines Feuerchen, das Peter entzündet und in dem wir meine gute alte (kaputte) Wanderhose – nach altem Brauch hier in Fisterra – verbrennen.
Danach geht es noch an unser Lieblingsplätzchen hier: an einen wunderschönen Sandstrand mit Dünen. Die Holztische und Bänke nutzen wir zu unserem Abendessen inclusive „Meer-gucken“, bevor uns dann die Kälte wieder „heimbringt“. Nach dem Verstauen der Räder genieße ich noch eine halbe Stunde an dem Strand, der bei unserem Wohnmobil liegt. Einfach traumhaft!

31.03.2016 Fisterra

War das ein wunderschöner Tag heute! Sind nun grad um kurz nach neun abends, nach Sonnenuntergang ins Wohnmobil gekommen, nachdem wir noch mit den Rädern zum Sonnenuntergang am Strand waren und uns dort am Strand Brot und Käse haben schmecken lassen. Aber die letzten Meter heim war es eisekalt. Und wie haben wir uns gefreut, daheim dann gleich einheizen und Wasser für einen Tee aufsetzen zu können.
Das tut gut! Und so sitze ich nun und tippele wieder meine heutigen Erlebnisse ins Handy, während Peter die letzten Seiten seines Buches von Ken Follett liest.

Aber nun der Reihe nach: wie üblich haben wir den Tag gemütlich – heute allerdings mit Sonnenschein – begonnen. Und dann ging es auf dem Jakobsweg zum Kap Finisterre. Ein schöner drei Kilometer langer Weg mit ca. 130 Höhenmetern – zwar neben der Straße, aber es war kaum was los.
Die Vögel zwitscherten.
Das Meer rauschte.
Die Sonne schien und es war angenehm warm.
Einfach herrlich!
Oben angekommen, gingen wir um den Leuchtturm und setzten uns davor auf die Steine, die rund um den Leuchtturm liegen.
Wir hatten eine herrliche und klare Sicht und konnten die Strecke sehen, die wir gestern am und um das Meer und dessen Fjorde entlang gefahren sind.
Auf der einen Seite der Küste sind Berge, auf denen verstreut Steine über Steine liegen und auf der anderen Seite zieht sich der Wald bis an die Küste.
Ich hatte mir hier alles eben und eher langweilig vorgestellt. Und bin nun natürlich begeistert wie schön es hier ist. Diese Vorstellungen auch immer! 😉
Goldgelbe Sandstrände blitzen auf und das Meer schimmert in den verschiedensten Blautönen.
Möwen kreischen über uns.
Einzelne Schuhe und auch Kleidung (Überbleibsel von Menschen, die den Camino gegangen sind) hängen hier an Felsen oder an Stangen. Oft sieht man an der Asche, dass Kleidung verbrannt wurde –
Kleidung, die ihren Zweck getan hat und nun nicht mehr gebraucht wird.
Besonders berühren mich zwei paar Wanderschuhe. An dem einen Paar hängt das Bild einer jungen Frau und einige Daten von ihr: wann sie geboren und leider auch wann sie gestorben ist, was sie beruflich gemacht hat und wann und wieweit sie den Camino gegangen ist. So was berührt! Und man spürt hier ganz besonders diese besondere Atmosphäre des Caminos – jedenfalls geht es mir so.
Hier ist noch Einsamkeit pur. Jedenfalls jetzt, Ende März. Wie es wohl im Sommer aussieht, wenn es auch hier wärmer ist?
Der Frühling bahnt sich aber auch hier an: die Knospen öffnen sich, wenn auch langsam.
Ein Musiker spielt hier und erinnert mich mit seiner Musik eher an Schottland als an Spanien.
Wir sitzen bestimmt über eine Stunde hier, jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt.
Irgendwann gegen zwei brechen wir auf, ein Hungergefühl meldet sich. Aber hier oben hat (noch?) nichts geöffnet.
Am kleinen Hafen in Finisterra finden wir dann ein nettes Lokal mit sehr freundlicher und aufmerksamer Bedienung, können draußen in der Sonne mit Blick auf den Hafen sitzen. Und hier gibt es Muscheln. Wir bestellen uns eine Platte mit den verschiedensten Muschelarten. Klasse und – sehr, sehr lecker. Peter ist nicht so begeistert, aber probiert auch alles. Es herrscht eine freundliche gelassene Atmosphäre hier, nebenan wird Gitarre gespielt. Ein Mann – wie sich herausstellt, ist er aus Madrid – sprach uns an. Er sei vor einigen Jahren den Jakobsweg gelaufen und dann hier in Finisterre hängen geblieben. Hier gefiele es ihm, wenn auch das Wetter hier sehr unbeständig sei. Beim Zahlen im Lokal werde ich von einer jungen Frau auf deutsch gefragt, ob das Essen uns geschmeckt hätte. Sie sei seit fünf Jahren wegen der Liebe hier hängen geblieben.
Ja, es ist ein besonderer Ort hier, der hat was! Und so haben wir auch beschlossen mindestens noch einen weiteren Tag hier auf dem Stellplatz ( der übrigens super ist, toller Blick, freundlicher Besitzer, Entsorgung, Wasser) zu verbringen.
Wir besorgen noch im Laden Brot und Käse und den Rest kennt ihr ja schon vom Anfang meines Berichtes.

30.03.2016 Pobra – Fisterra (200 km)

Da es fast immer noch wie aus Kübeln schüttet, lassen wir es getrost ruhig angehen, obwohl wir ja heute noch nach Fisterra kommen wollen. Während einer Regenpause geh ich noch kurz ins Städtchen und auf den Markt und besorge da ein paar Churros. Schmecken gar nicht schlecht,…..

Unser nächstes Ziel, das auf unserem Weg liegt, sind die Dolmen de Axeitos. Diese liegen idyllisch in einem Eichenhain. Es sind sieben Steine, die leicht nach innen geneigt, im Kreis aufgestellt sind und auf denen ein gewaltiger Monolith liegt.

Weiter geht es zu einer Riesendüne, die nicht nur sehr hoch, sondern auch sehr breit ist. Diese Düne darf auf keinen Fall bestiegen werden. Es drohen horrende Strafen. Sie liegt in einem Küstengebiet mit kleineren Seen, Sümpfen und natürlich Stränden. Als wir die 800 Meter von der Düne zurück zum Wohnmobil laufen, werden wir klatschnass. Ein tolles Gefühl, nicht wahr? 😳
Den Aussichtspunkt, den unser Wohnmobil-Führer noch empfiehlt, können wir bei dem jetzigen Wetter getrost auslassen.
Wir passieren hübsche Streckenabschnitte mit vielen Bergen, viel Wald, natürlich Meer und hübschen Stränden (teilweise mit Süßwasserseen dahinter) und kleine Ortschaften.
Auch an einer keltischen Siedlung kommen wir vorbei.
Aber dann kommt für mich das Highlight des Tages: der Playa Boca do Rio bei Carnota, ca. 30 km vor Fisterra.
Ein wunderschöner malerischer Strand mit Dünen und mit großen Granitkugeln (zum Klettern) darauf und davor zwei Lagunen. Sieht das schön aus, ich bin ganz begeistert. Trotz Regen bin ich draußen und schaue mir alles an. Und dabei treffe ich ein nettes spanisches Pärchen – er unterhält sich auf englisch mit mir, erzählt mir von den Schönheiten seines Landes (Galizien) und ist ganz stolz darauf, auch wenn das Wetter selbst im Sommer so unbeständig sei.
Peter hat – ihr könnt es euch denken – in der Zwischenzeit schon ein Käffchen bereitet, das wir uns vor der Weiterreise noch schmecken lassen.
Und dann kommt ganz unerwartet etwas später ein weiteres Highlight: ein herrlicher Sandstrandbogen mit dem Wegweiser zu einem Aussichtspunkt. Peter will mich überraschen – und das ist gelungen. Wir sehen hinter einem Hafenbecken, wie sich gewaltige Wassermassen den Berg hinabstürzen. Und zwar mit solch einer Wucht, das ist gigantisch, so was haben wir noch nicht mal in Norwegen in der Dimension gesehen. Da muss der Regen der vergangenen Tage mit beteiligt gewesen sein. Ein Bild dazu folgt natürlich auch noch.
Und dann ging die Straße steil bergauf, sehr steil. Toll sah das aus, aber nach einem Kilometer haben die Räder des Wohnmobils dann auch auf Grund der regennassen Fahrbahn durchgedreht. 😁
Da half nur noch rückwärts wieder den Berg langsam hinunter, zum Umdrehen gab es keinen Platz. Nur gut, dass uns da keiner entgegen kam. Ist schon spannend mit uns – und wird nie langweilig,…… 😉
Die Landschaft wird immer noch interessanter und abwechslungsreicher, finde ich.
In Fisterra fanden wir am Anfang des Ortes gleich einen sehr schönen Wohnmobil-Platz (5€/Nacht) mit einem wunderbaren Blick aufs Meer und auf die Strecke, die wir gerade am Meer entlang gefahren waren.
Wir sind noch kurz ins Städtchen gegangen und fanden es herrlich gemütlich.
Das Kap nehmen wir uns für den nächsten Morgen vor, denn da soll ja laut Wetter App schönes Wetter sein.