Freitag, 15.September 2017

Erst um neun gibt es hier auf dem Platz Brot, also können wir in Ruhe ausschlafen, frühstücken und uns fertig machen.

Kurz vor 12 Uhr fahren wir dann ins 50 km entfernte Astorga.
Für Pilger las ich, ist das der ernüchterndste Abschnitt auf dem ganzen Weg, da er hauptsächlich an der Straße durch landschaftlich monotones Gebiet (typische Meseta-Szenerie) führt.
Astorga selbst hat ca. 13.000 Einwohner und war bereits zu Römerzeiten eine wichtige Stadt. Später wurde Astorga zur Bischofsstadt und einer immens wichtigen Station auf dem Jakobsweg.

Mir gefällt das Städtchen recht gut, ich schaue mir die Kathedrale

  

und den Bischofspalast an.

Dieser gefällt mir auf Grund seiner vielen Türmchen und seiner verspielten Bauart ganz außerordentlich, und ich bedauere es, dass er erst am späten Nachmittag wieder öffnet. Er wurde von Antoni Gaudi, dem spanischen Jugendstil-Architekten Ende des 19. Jahrhunderts entworfen. Leider hat nie ein Bischof darin gewohnt.
Auch das Schokoladen-Museum hat leider über Mittag geschlossen: 😳 so besorge ich halt in einer der vielen Bäckereien die hier hergestellten und berühmten Schmalzplätzchen und etwas Schokolade von hier zum Probieren.

Bin gespannt, was Peter dazu sagt,….
Weiter geht es dann durch die Montes de Leon zum Cruz de Ferro (Hierro) auf über 1500 Höhenmeter, dem zweithöchsten Punkt des Jakobswegs.

Das ist eine wunderschöne Wander-Strecke durch kleine Dörfer mit rustikalen Steinhäusern soweit ich das aus dem Autofenster beurteilen kann. Weiter geht es durch eine herrliche Heide-, Feld- und Waldlandschaft mit Kiefern, Eichen und rötlich blühender Heide – also der Abschnitt, der lockt einen förmlich aus dem Auto. Leider können wir das Wohnmobil nirgends abstellen, zu eng sind die Strässchen, zu klein die Parkplätze 😳. Auch im Frühling ist es hier bestimmt herrlich! Bedenken sollte man allerdings, dass es hier nachts sehr kalt wird (zur Zeit um die fünf Grad).
All die kleinen Dörfchen, durch die sich der Pilgerweg schlängelt, erfahren einen Aufschwung: sie bieten Betten an, Getränke und auch das berühmte Pilgermenü für meist zehn Euro.
Bald erreichen wir einen riesigen Parkplatz und das berühmte Kreuz auf 1504 Metern: es sitzt auf einem mehreren Meter hohen Baumstamm und der wiederum ragt aus einem gigantischen Steinhaufen.

  

Auf diesen legen Jakobspilger gewöhnlich Steine ab – als Symbol dafür, Lasten und Sorgen abzugeben und befreit weiter zu ziehen. Hier hängen auch Briefe, legen beschriebene Steine und es hängen sogar einzelne Socken, die wohl auch nicht mehr gebraucht wurden. Ich dachte eigentlich, dass man von hier einen schönen Ausblick hätte, aber da habe ich mich (mal wieder) getäuscht. Es gibt hier lediglich noch eine kleine Kapelle, die aber geschlossen ist. Es kommt noch ein deutscher Reisebus hier an, der den Camino bis Santiago abfährt. Und ein deutsches Radlerpaar aus Rostock, die es in drei Tagen noch bis Santiago schaffen wollen. Es sind ihre Flitterwochen, die sie hier auf dem Weg verbringen – sie meinten, dass sie das nicht mehr tun könnten, wenn erst mal Kinder und Haus da seien. Wie Recht sie doch haben könnten,… 😉
Ansonsten ist jetzt am späten Nachmittag nicht mehr viel los hier, die Pilger werden ihre Unterkunft weiter unten bestimmt gefunden haben. Und auch wir starten dann wieder Richtung Ponferrada. Lange überlegen wir noch, ob wir durch das kleine Dorf El Acebo fahren sollen oder lieber außen herum – also den ganzen Weg zurück – ? Das Dorf kennen wir nämlich von unserer letzten Fahrt, als wir uns mit dem großen Alkoven-Wohnmobil nicht trauten, durch das enge Dorf zu fahren. Aber nun trauen wir uns! Der Bus fuhr auch diese Richtung und bis jetzt kam er auch nicht zurück. Also müssten wir es auch schaffen! Es ist eine traumhafte Strecke, die stetig abwärts führt.

Und El Acebo meistert Peter bestens und fährt gekonnt durch die enge Schneise zwischen den schiefergedeckten Steinhäusern und ihren abenteuerlich angebauten Holzbalkonvorbauten hindurch. Super! 👍😊

Am noblen Hotel nach dem Ortsausgang ist ein großer Parkplatz mit herrlicher Sicht auf die umliegenden Berge bis nach Ponferrada.

Auch hier standen wir schon mal und haben die Aussicht genossen. Ich frage im Hotel nach und wir können gerne hier kostenfrei übernachten.

Für den nächsten Morgen habe ich mich schon nach dem Frühstück erkundigt: es gibt hier ab halb sieben Buffet und wir können bis elf Uhr hier für vier Euro pro Person frühstücken. Na, sind das nicht tolle Aussichten?

2 Gedanken zu „Freitag, 15.September 2017“

  1. … es gibt hier ab halb sieben Buffet und wir können bis elf Uhr hier für vier Euro pro Person frühstücken. Na, sind das nicht tolle Aussichten?

    Sagt mal, habt ihr auch eine Personenwaage dabei? Ich meine, nur so zur Kontrolle, ob sie funktioniert???? 😆

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